Spanien überrascht beim EuroBasket-Auftakt

Ein totales Desaster. Spaniens Basketball-Nationalteam hätte bei der EuroBasket 2025 nicht schlechter starten können. Nach einer problematischen Vorbereitung reisten sie bereits mit großen Zweifeln an ...

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Von Niko Jens Schwann

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Ein totales Desaster. Spaniens Basketball-Nationalteam hätte bei der EuroBasket 2025 nicht schlechter starten können. Nach einer problematischen Vorbereitung reisten sie bereits mit großen Zweifeln an und kassierten direkt eine heftige 83:69-Niederlage gegen Georgien, eines der schwächeren Teams in ihrer Gruppe.

Zweifel werden zum Albtraum

Wir haben es vorausgesagt. Spanien kam ohne klaren Spielplan zur Europameisterschaft – oder zumindest ohne das Selbstvertrauen, einen Plan umzusetzen, der schließlich komplett zerbrach.

Obwohl Georgien auf dem Papier nicht einschüchternd wirkte, war der Unterschied an Überzeugung und Entschlossenheit riesig, vor allem in der Offensive. Sergio Scariolos Truppe zeigte die eklatanten Fehler aus den Testspielen, wurde beim Rebound regelrecht überrollt und kam nur auf traurige 22,0 Prozent von der Dreierlinie und 46,0 Prozent an der Freiwurflinie. Viel zu viele Geschenke an einen Gegner, der keineswegs makellos spielte, aber trotzdem kompletter wirkte.

Über das Endergebnis hinaus – so schmerzhaft es ist – fehlte bei den Spaniern ein echter Anführer, der auf und neben dem Feld ein Zeichen setzt und das halb eingeschlafene Team wachrüttelt. Mehr Zweifel als Antworten und der Eindruck, dass womöglich ein Wunder nötig ist, um das Ruder herumzureißen.

Willy, Juancho … und sonst nicht viel

Wenn man sich das Spiel selbst anschaut, änderte sich der Ausblick kaum. Georgien übernahm früh das Kommando (13:6 Mitte des ersten Viertels), während Scariolos Spieler in Ballverlusten und schwachen Würfen steckenblieben – ein Abbild ihres nicht existenten Offensivflusses und mangelnder leichter Punkte. Niemand will zu hart sein gegenüber einem Kader voller junger, unerfahrener Spieler, aber das ist nicht der richtige Weg.

Individuell trug Willy Hernangómez in der ersten Halbzeit Spaniens Hoffnungen, sein Bruder Juancho erledigte diese Rolle in der zweiten. Ihre Alleingänge reichten nicht zum Sieg, hielten das Team aber in einem nervösen Schlagabtausch. Trotzdem hatte bei „La Familia“ niemand sichtlich Spaß.

Auf der Anzeigetafel folgte Spaniens beste Phase kurz vor der Pause, als sie sogar mit einem Punkt in Führung gingen (32:33). Das erwies sich allerdings als Trugbild und brachte eine erfahrene Georgier Mannschaft um Tornike Shengelia und einen starken NBA-Faktor namens Alexander Mamukelashvili nicht ins Wanken. Der führte sein Team immer wieder heraus aus den wenigen Löchern – zum Beispiel im letzten Viertel, als zwei aufeinanderfolgende Dreier von Juancho Spanien auf fünf Zähler heranbrachten (61:56).

Die 19 Punkte des Toronto-Raptors-Spielers waren wegweisend für ein Team, das unbedingt gewinnen wollte und auf einen verzweifelt wirkenden Gegner traf. Stellvertretend dafür die überhasteten Dreier von Santi Aldama in den Schlussminuten. Apropos: Der Grizzlies-Forward blieb weit hinter den Erwartungen – und dem, was die Mannschaft von ihm braucht – und kam bei 5 von 15 Treffern auf 12 Punkte.

Als Spanien schon die Waffen streckte und Goga Bitadze auf dem Court zu glänzen begann, wurde in den letzten Minuten nur noch deutlicher, wie weit Spanien von dem entfernt ist, was sie sein wollen. Ihr Basketball war 40 Minuten lang nicht präsent, sie wirkten komplett verloren.

Bemerkenswerte Akteure

Alexander Mamukelashvili: Er wurde als Georgiens wichtigste Offensivkraft gehandelt und untermauerte genau das. Dreier, Energie, Defense… Er trug sein Team über 40 Minuten und war mit 19 Punkten bester Werfer. Dazu packte er 7 Rebounds und 6 Assists in seinen Statistikbogen.

Juancho Hernangómez: Er gab einer orientierungslosen spanischen Mannschaft Hoffnung, legte im letzten Viertel acht Punkte in Serie auf. Er investierte alles, doch seine 13 Punkte und 8 Rebounds reichten nicht, da das Team zu viele Schwächen offenbarte.

Goga Bitadze: In der ersten Halbzeit noch frustriert, in der zweiten gnadenlos. Er beendete das Spiel mit 15 Punkten und traf 2 von 4 Dreiern. Damit gab er Spanien den endgültigen Stoß, als die Partie noch halbwegs offen schien.

Spieldetails

83. Georgien (20+17+20+26): Baldwin (12), Sanadze (11), Shengelia (13), Mamukelashvili (19), Bitadze (15) –Starter–; Andronikashvili (2), Jitntcharadze (-), Burjanadze (7), Shermadini (4), Korsantia (DNP), Phevadze (DNP), Ochkhikidze (-).

69. Spanien (17+18+14+20): De Larrea (3), Yusta (4), Parra (5), Aldama (12), W.Hernangómez (8) –Starter–; Saint-Supéry (4), Brizuela (11), Puerto (-), López-Arostegui (3), J.Hernangómez (13), Pradilla (6), Sima (DNP).

Referees: Matthew Leigh Kallio (CAN), Paulo Marques (POR) und Petar Pesic (SER). Sie verhängten ein unsportliches Foul gegen Shermadini (Min. 28) und ein Technisches gegen Goga Bitadze (Min. 33).

Spielnotizen: Gruppenspiel in Gruppe C der EuroBasket 2025 in der Spyros Kyprianou Arena in Limassol (Zypern).

(Photo courtesy of FIBA Europe)

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